Schulschließung? – Konzepte und Diskussion

(Stand 22.10.2020) Nach den Herbstferien wird der Unterricht im Regelbetrieb aufgenommen.

Wir haben von der Landesregierung den Auftrag, uns auf zwei Szenarien für den Schulbetrieb vorzubereiten. Je nach Zahl der in unserem Kreis innerhalb von sieben Tagen positiv auf das Corona-Virus getesteten Personen werden an den Schulen verschärfte Regeln eingeführt, wie eine Maskenpflicht im Unterricht oder der Übergang in Szenario 2 oder 3. Bei Szenario 2 werden in unserer Schule im Unterricht Abstandsregeln eingeführt, und jede Lerngruppe darf nur maximal 15 Schülerinnen und Schüler umfassen. Bei Szenario 3 wird die Schule komplett geschlossen und der Unterricht findet als Fernunterricht statt. 

Über die Maßnahmen zur Eindämmung von SARS-CoV-2 sowie deren Nutzen- Risiko-Abwägung findet derzeit eine rege öffentliche Diskussion statt (s. u.), die die Schulen unmittelbar betrifft. Zu Beginn der Pandemie wurde zum Beispiel vermutet, dass es unter Schülerinnen und Schülern ein besonders großes Risiko für ein Infektionsgeschehen gebe. Dies erscheint zunächst plausibel, konnte jedoch bisher auch nach Wiederaufnahme des Regelunterrichts nicht mit Daten belegt werden. So wird mittlerweile angenommen, dass das Infektionsgeschehen im Wesentlichen bei größeren Feiern im privaten Bereich stattfindet.

Konzept für Szenario 2 am MvCG

Über die Vorgaben für das Szenario 2 können Sie sich in den Leitlinien der Landesregierung und im 5. Hygieneplan für Schulen informieren.

Im Konzept für das MvCG haben wir diese wie folgt umgesetzt: Alle Klassen (5-13) werden in je zwei Lerngruppen aufgeteilt. In der Regel wird eine Lerngruppe in der Schule Unterricht haben, während die andere Gruppe zuhause bleibt und mit Aufgaben versorgt wird.

Die in den Leitlinien vorgegebene ununterbrochene Präsenz der Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bedingt einen doppelten Lehrer- und Raumbedarf. Um diesen Bedarf zu decken, verbringen unsere Schülerinnen und Schüler der Klassen 8, 9 und 10 im Wechsel zwei Tage zu Hause und einen Tag in der Schule.

Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 6 und 7 werden wie auch die Oberstufe im täglichen Wechsel Unterricht in der Schule haben, das heißt, eine Teilgruppe wird in der Schule Unterricht haben, während die andere Gruppe zuhause bleibt und mit Aufgaben versorgt wird.

In den Klassen 5 werden die Gruppen tageweise abwechselnd von ihren regulären Fachlehrern und von den Fachlehrern der Klassen 8, 9 oder 10 unterrichtet. Der Unterricht der 5er findet dementsprechend zum Teil in den Räumen der Klassen 8, 9 oder 10 statt.

Die MSS-Stufen werden alphabetisch in jeweils zwei Gruppen aufgeteilt. Im Anschluss wird eine manuelle Anpassung dieser Aufteilung vorgenommen. Ziele dieser manuellen Aufteilung sind die einigermaßen gleichmäßige Aufteilung der einzelnen Kurse sowie die Vermeidung einer Aufteilung sehr kleiner Kurse (ca. 10 Teilnehmer oder weniger).

Diese Vorgehensweise wurde mit den Gremien (Schulelternbeirat, Schülervertretern, örtlicher Personalrat) abgesprochen.

Szenario 3 – Vollständige Schulschließung

Je nach Entwicklung der Zahl der auf SARS-CoV-2 Getesteten im Kreis Cochem-Zell bzw. an der Schule könnte Szenario 3 eintreten und die Schule wird geschlossen. Dies bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler vollständig zu Hause bleiben und mit Hilfe der Software „Teams“ Heimunterricht erhalten. Schülerinnen und Schüler, die nicht über digitale Endgeräte verfügen, erhalten Leihgeräte, so dass sie von zu Hause aus mit den Lehrerinnen und Lehrern kommunizieren können.

Öffentliche Diskussion über die Corona-Maßnahmen

In Politik und Wissenschaft gibt es eine lebhafte Diskussion über die Frage, wie die Politik auf Fakten und Zahlen der Entwicklung der SARS-CoV-2 Verbreitung reagieren soll. Die einen sprechen von einer zweiten Welle der Corona-Epidemie und verweisen auf die Zunahme an positiven PCR-Testungen. Andere sprechen von Übertreibung und verweisen dabei auf die Zahl der schwer Erkrankten (die Tabellen zeigen rechts die Entwicklung der Pandemie in Deutschland, unten in England. Quelle: Website des statistischen Bundesamtes, s.u.). und

Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, dass Verhältnisse, die wir als stabil und unveränderlich empfinden, dies nicht sind. Sie hat gezeigt, dass Paradigmen aus Wissenschaft und Gesellschaft weniger sicher sind als angenommen. Auch sind, politische,  ökologische und ökonomische Themen, die zügiges Handeln erfordern, in den Hintergrund geraten.

Ab Oktober ist aus jahreszeitlichen Gründen damit zu rechnen, dass die Zahlen in Bezug auf  Covid-19 steigen. Irland hat am 20.10. als erstes Land der EU den zweiten Lockdown ausgerufen. Die unterschiedlichen Vorgehensweisen der Länder zeigen, dass die politischen Entscheidungen im demokratischen Diskurs errungen werden und nicht als logische Folge von unumstößlichen Fakten in die Welt kommen. Zahlen müssen auf der Basis von bereits vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnissen interpretiert werden. Dann muss eine Nutzen-Risiko-Abwägung in Bezug auf zu treffende politische Maßnahmen stattfinden. Da diese Entscheidungen weitreichende Folgen haben, die alle betreffen, sind alle dazu aufgerufen, sich differenziert zu informieren und in den politischen Diskurs mit einzutreten.  In unserem Leitbild haben wir, die Mitglieder der Schulgemeinschaft, es so formuliert:

„Wir wollen zusammen mit den Schülerinnen und Schülern fachliche, ethische und mediale Fähigkeiten weiterentwickeln, die dazu befähigen, Wissen weiterzugeben und auszutauschen sowie an demokratischen Prozessen teilzuhaben und Einfluss zu nehmen.“

In diesem Sinne laden wir dazu ein, in den Diskurs einzusteigen. Es gilt dabei: Nichts einfach glauben, alles hinterfragen und nach dem Motto der Aufklärung “sapere aude” selbst zu denken! Neben der Expertise aus Bereichen der Epidemiologie und der Virologie ist für die gesellschaftliche Diskussion mittlerweile auch die Expertise aus den Fachbereichen Soziologie, Ökonomie, Psychologie und Philosophie gefragt.

Die öffentliche Diskussion betrifft uns in ihren Auswirkungen direkt. Wir, die Mitglieder der Schulgemeinschaft des MvCG, halten uns an die vorgegebenen Regeln. Schulleben und Schulkultur haben sich dadurch essenziell verändert: Internationale Begegnungen, die doch als Garant für Frieden und Demokratie in Europa gelten, können nicht stattfinden. Musizieren findet unter extrem schwierigen Bedingungen oder gar nicht statt. Manche Schülerinnen und Schüler kommen aus Angst vor Ansteckung nicht in die Schule. Kurs- und Klassenfahrten finden bis auf weiteres nicht statt. Feste und Feiern, die für das Lebensgefühl und die Kultur einer Schule wichtig sind, finden nicht statt. Zugleich müssen wir jederzeit mit einer weiteren teilweisen oder vollständigen Schulschließung rechnen. Was dies für die Lehrerinnen und Lehrer, die Schülerinnen und Schüler sowie die Familien bedeuten würde, haben wir dieses Jahr bereits erlebt. Wir sind derzeit immer noch dabei, die Folgen aufzuarbeiten. Im Frühjahr hat sich bestätigt: Für den Lernprozess ist der direkte Kontakt zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen sehr wichtig. Wir haben im Bereich der Nutzung digitaler Medien in den letzten Monaten viele Fortschritte gemacht, doch wir haben auch erlebt, dass Bildschirme nicht die direkte soziale Interaktion der Menschen in der Schule ersetzen können.

Mittlerweile gibt es viele neue Erkenntnisse und Erfahrungen mit SARS-CoV-2 und es stellt sich die Frage, ob die geltenden Kriterien für die Beurteilung der Situation überprüft werden müssen und ob die aktuell zur Eindämmung des Virus getroffenen Maßnahmen zielführend sind. Es gibt Experten, die fordern, nicht die Zahl der positiv auf das Corona-Virus getesteten Personen als Maßstab für die Beurteilung der Lage zu nehmen, sondern die Zahl der schwer Erkrankten und die Auslastung der Krankenhäuser (unten können Sie die entsprechenden Zahlen auf den verlinkten Seiten nachlesen). Auf der Basis der seit März gewonnenen Daten und Erfahrungen können in Abwägung verschiedener Positionen neue Entscheidungen getroffen werden.

Ich hoffe, dass darüber eine ergebnisoffene Diskussion geführt wird, die zu demokratisch legitimierten und konsensfähigen Entscheidungen führt.

Michaela Maria Koch, Schulleiterin

Daten, Auswertungen, Diskussionen

Quellen:

FAZ (22.10.2020): Corona-Parlamentsrechte: Zustimmung für Schäubles Vorstoß

Welt (20.10.2020): Irland verkündet als erstes EU-Land zweiten Corona-Lockdown

ntv (19.10.2020): Streeck versus Drosten – “Der Virologe für die zweite Welle”

Merkur (19.10.2020): Gesundheitsamtschef zerreißt Corona-Strategie – Friedrich Pürner, Epidemiologe und Leiter eines Bayrischen Gesundheitsamts spricht Klartext

Intensivregister Deutschland – aktuelle Belegung der Intensivbetten

Fallzahlen in den Kreisen (Robert-Koch-Institut)

Statistisches Bundesamt: Verlauf der Epidemie in Deutschland

Worldometers: Zahlen aus anderen Ländern

Merkur (16.10.2020): Drosten gibt düstere Prognose zur Maskenpflicht – “Auch wenn wir mit den Impfungen beginnen…”

Neue Osnabrücker Zeitung (10.10.2020): „Wieder weg mit Corona-Reisebeschränkungen? Definitiv!“ Der Chef der kassenärztlichen Bundesvereinigung kritisiert „falschen Alarmismus“ des RKI

Sendung ARD-Extra vom 05.10.2020: Fallzahlen als Maßstab nehmen?

WDR (08.10.2020): Lockern oder verschärfen? Welche Maßnahmen sind richtig? – Kontroverse Diskussion mit Verfassungsrechtlern, Medizinern und Betroffenen

Bericht im Hessischen Ärzteblatt: Covid-19 – Pandemie in Frankfurt am Main: Was sagen die Daten? (Oktober 2020)

Thesenpapier Expertengruppe: Die Pandemie durch SARS-CoV-2/Covid-19 – Stabile Kontrolle – Corona nicht politisieren (August 2020)

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