Pierre-de-Coubertin-Camp 2026

Vom 26.-31. Juli 2026 ging es für uns, eine bunt gemischte Gruppe von 19 Jugendlichen aus drei verschiedenen Ländern, zum diesjährigen Pierre-de-Coubertin-Camp nach Oberjoch. Dieses wird von der Sportjugend Rheinland-Pfalz und den entsprechenden Partnerorganisationen der anderen Länder sowie dem deutsch-französischen Jugendwerk organisiert und finanziert. Die Bewerbung für das Camp lief über die Schule und setzte gute Leistungen in Sport und Französisch, genauso wie sportliches und ehrenamtliches Engagement voraus. Im Mittelpunkt der Woche stehen die olympischen Werte, nach dem Vorbild von Pierre de Coubertin. Dennoch ist das Einzige, was uns als Gruppe zunächst verbindet, der Sport.

Unsere Reise beginnt am Sonntagmorgen in Gering, von wo aus es über Mainz direkt ins Allgäu geht. Wir sind insgesamt sieben Jugendliche aus Rheinland-Pfalz, die das Bewerbungsverfahren durchlaufen haben und jetzt hier gemeinsam mit den beiden Leiterinnen unserer Gruppe im Bus sitzen. Zunächst herrscht betretenes Schweigen, da wir uns untereinander noch nicht kennen. Da dieser Teil aber genauso wie die Vorliebe für Sport auf uns alle zutrifft, konnten wir das Eis nach einer Runde UNO und Volleyball auf der Raststätte schnell brechen und haben uns schon nach der siebenstündigen Busfahrt gefühlt, als ob wir uns definitiv länger als sieben Stunden kennen. Im Haus Rheinland-Pfalz angekommen, werden erstmal die Zimmer verteilt. Und obwohl wir die kürzeste Anreise hatten, sind die sieben französischen und fünf polnischen Jugendlichen schon da. Ich beziehe also mein Zimmer zusammen mit Izabela, einer Schwimmerin aus Polen. Anschließend gibt es Abendessen und ein erstes Kennenlernspiel. Spiele dieser Art standen zum Glück mehrere auf dem Programm, aber am Ende der Woche kannte man sich ohnehin viel besser, als man nach so wenigen Tagen meinen würde. Nach einem spontanen Volleyballspiel sind wir ziemlich müde, aber bereits voller Erwartungen auf das, was die Woche noch bringen mag.

Der Montagmorgen beginnt mit einem gemeinsamen Workout und ausgiebigem Frühstück, bevor wir uns auf das hauseigene Sportfeld nach draußen begeben, wo wir bei Sprachanimationen und sportlichen Spielen zusammenkommen. Auch teilen wir dabei die Gruppen für unsere Olympiade ein, für die in den nächsten Tagen täglich Spiele, kleine Wettkämpfe und auch Vorträge vorgesehen sind. Mittags vertilgen wir im Aufenthaltsraum unsere Lunchpakete und tauschen uns innerhalb unserer internationalen Gruppen über die verschiedenen Sportsysteme der Länder aus. Das eigentliche Highlight des Tages folgt aber noch: wir gehen zu einem Biathlon-Workshop! Obwohl alle unterschiedliche Sportarten betreiben, ist das eine Disziplin, mit der vorher noch niemand Berührungspunkte hatte, weshalb die Aufregung entsprechend steigt. Trotzdem treffen wir nach kurzer Zeit auch unter vorheriger Belastung die Zielscheiben und messen uns in einem kleinen Wettkampf Länder gegen Länder. Hier zeigt sich wieder, wie sehr der Sport uns zusammenschweißt: alle feuern sich gegenseitig an und fiebern gespannt mit. Und auch wenn wir manchmal sprachlich an unsere Grenzen stoßen, ist der Sport für uns alle etwas, das wir unabhängig davon teilen können.

Am Dienstagmorgen steht eine Arbeitsphase für unsere Gruppenarbeiten, bei denen wir uns mit den Olympischen Spielen und Feminismus beschäftigen, und ein Vortrag von Skispringerin Luisa Görlich an. Danach nutzen wir die Freizeit, um ins nahegelegene Moorbad zu gehen. Anschließend können wir bei einem Kahoot weitere Punkte für die Olympiade sammeln und gehen am Abend gemeinsam Trail laufen, wo wir einen wunderschönen Sonnenuntergang sehen und es uns danach nicht nehmen lassen, noch im Kletterraum im Keller auf unsere Kosten zu kommen.

Am Mittwoch haben wir mehr gemacht, als man für einen Tag meinen sollte. Gestartet wurde mit einer Wanderung in Kleingruppen entlang eines Wildbachs, bei der wir kurze Videos drehen, die anschließend unter viel Gelächter im Aufenthaltsraum angeschaut werden. Mittags stellen wir unsere Projekte vor, bei denen vor allem die Live-Acting-Darbietung über die Spiele im antiken Griechenland überzeugt. Schon am Nachmittag dieses Tages erhalten alle Teilnehmer die Pierre-de-Coubertin-Medaille und die entsprechende Urkunde. Coubertin, dem zu Ehren dieses Camp stattfindet, ist der Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit. Und auch wenn er selbst der Meinung war, dass Frauen dabei eigentlich nichts zu suchen haben, verdanken wir es doch ihm, dass wir heute alle zwei Jahre dieses sportliche Großereignis veranstalten. Aus diesem Grund geht es bei dem Camp neben der sportlichen Betätigung eben auch um die olympischen Werte und darum, wie der Sport uns verbindet, egal welche Sprache wir sprechen. Nach der Zeremonie hat uns die Seilbahn nach oben auf den Berg zu einem wunderschönen Bergsee gebracht, in dem wir geschwommen und dabei alle von meiner Zimmernachbarin abgehängt worden sind. Den Abend lassen wir dann am Lagerfeuer mit Tanzen und dem ersten Stockbrot ihres Lebens für Coline, eine der Französinnen, ausklingen.

Am Donnerstag, dem letzten vollen Tag des Camps, stehen wir früh auf, um noch vor der Mittagshitze auf den Berg zu steigen. Nach fast fünf Kilometern Aufstieg, die dann trotzdem ziemlich heiß wurden, kommen wir oben an und lassen uns bei der verdienten Aussicht das zweite Frühstück schmecken. Auf halbem Weg nach unten werden noch einmal die Beine im See abgekühlt, bevor es dann zurück ins Haus Rheinland-Pfalz geht. Nach einer spontanen Partie Hockey in der Turnhalle im Keller werden die Gewinner der Olympiade bekannt gegeben. Und Überraschung: unser Team hat trotz Startschwierigkeiten gewonnen und ich bin jetzt stolzer Besitzer eines Handtuchs mit der Aufschrift „Sportjugend Rheinland-Pfalz“. Der letzte gemeinsame Abend ist gleichzeitig auch der emotionalste. Beim letzten Spiel im Programm kleben wir uns alle ein Blatt Papier auf den Rücken und laufen unter Musik durch den Raum, um die Blätter der anderen mit liebevollen Worten zu füllen. Je länger das Spiel andauert, desto mehr von uns fangen an zu weinen und wir blicken alle mit ein wenig Angst auf den Abschied, der uns zwangsläufig am nächsten Morgen erwartet.

Dieser sorgt dann am Freitag erneut für Tränen, obwohl wir am Abend zuvor wieder fröhlich miteinander Werwolf gespielt hatten. Unter vielen Umarmungen verabschieden wir uns schweren Herzens voneinander. Auch der Abschied von den anderen deutschen Teilnehmern nach der Rückfahrt fällt nicht leicht. Niemals hätte ich damit gerechnet, in einer Woche so sehr mit fremden Menschen zusammenwachsen zu können. Aber hier stehen wir und sind uns sicher, dass dieses Camp definitiv nicht das letzte Mal sein wird, dass wir uns gesehen haben. Um das Ganze mit den Worten meiner neuen Freundin Lina zu beschreiben: „Eine einzigartige Woche, in der Fremde zu Freunden fürs Leben werden. Wieder wurde mir klar: wo Worte fehlen, verbindet der Sport. Sport baut Verbindungen auf, für die man nicht die gleiche Sprache sprechen muss, und ist die einzige Sprache der Welt, die ganz ohne Worte, aber mit dem Herz verstanden wird.“ Das Camp hat uns so viel gegeben, was man nicht in Worten beschreiben kann. Wir haben neue Freundschaften geknüpft, Sportarten ausprobiert und uns auf diversen Sprachen ausgetauscht. Unser neu gewonnenes Team stand dabei stets im Vordergrund und wir haben uns gegenseitig ermutigt, angefeuert, unterstützt und bejubelt. Diese Zeit bleibt in mir mit Unmengen wundervoller Erinnerungen zurück, obwohl sie letzten Endes doch viel zu schnell vorbei war.

Artikel: Rosalie Weber

Fotos: Ella Schäper und Katharina Höth

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