MvCG-Schüler erleben Rechtsprechung hautnah
Was bedeutet Strafe eigentlich – Vergeltung, Abschreckung oder zweite Chance?
Mit dieser Frage im Hinterkopf betrat die Klasse 9a des Martin-von-Cochem-Gymnasiums am 16. Dezember 2025 das Amtsgericht Cochem. Im Sozialkundeunterricht hatte sich die Klasse zuvor intensiv mit dem Thema „Recht und Rechtsprechung“ beschäftigt. Nun sollten abstrakte Begriffe wie Rechtsstaat, Schuld, Ermessen und der Sinn von Strafe reale Gesichter bekommen – und genau das geschah an diesem Vormittag.
Im Gerichtssaal verfolgten die Schülerinnen und Schüler eine Strafverhandlung gegen einen 19-jährigen Angeklagten, dem unter anderem Diebstahl, Urkundenfälschung und Körperverletzung vorgeworfen wurden. Im Mittelpunkt stand eine Serie von Diebstählen, bei denen im Sommer zahlreiche Gullydeckel in der Region Koblenz entwendet worden waren. Der Angeklagte hatte zusammen mit seinem gesondert verfolgten Cousin die schweren Abdeckungen als Metallschrott verkauft, um Geld für Drogen zu beschaffen. Daneben kamen zwei Gewaltdelikte des Angeklagten zur Sprache. Insbesondere die Zeugenaussagen der geschädigten Ex-Freundinnen sorgten dabei für einen bleibenden Eindruck bei einigen Schülerinnen und Schülern.
Das schließlich verhängte Urteil – eine mehrjährige Jugendstrafe – machte deutlich, dass der Rechtsstaat sowohl den Schutz der Allgemeinheit als auch die Möglichkeit zur Veränderung im Blick behält. Richter Sven Kaboth betonte, dass die Strafe zugleich Grenze und Chance für den Angeklagten sei: eine letzte Möglichkeit, das eigene Leben neu auszurichten. Für die Schülerinnen und Schüler wurde so deutlich, dass Strafen nicht Automatismen sind, dennoch Ermessensentscheidungen innerhalb eines klaren rechtlichen Rahmens erfolgen.
Im Anschluss an die Verhandlung nahm sich Richter Sven Kaboth Zeit für ein Gespräch mit der Klasse. Für diese Möglichkeit, den Ablauf und die Hintergründe der Rechtsprechung aus erster Hand zu reflektieren, gilt ihm ein herzlicher Dank. Mit neuen Eindrücken und besonderen Einblicken verließen die Schülerinnen und Schüler den Gerichtssaal.

Artikel und Foto: André Krautkrämer




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